

Das Islandpferd
Typ und Verwendung: Gebirgspferd, typmäßig auf der Grenze zum Kaltblut; genügsam, widerstandsfähig gegen extreme Witterungsverhältnisse; spätreif, fruchtbar bis ins hohe Alter, langlebig; ausdauernd als Reitpferd und Säumer in unwegsamem Gelände; gutmütiges Temperament; auf Island auch als Schlachttier verwendet.
Exterieur: Zwei Typen: Edlerer mit teils relativ noblem Kopf, weniger edel mit oft großem unedlem Kopf und Ramsnase; kurze, spitze Ohren, kurzer, oft tiefangesetzter Hals, stark ausgeprägte, u.U. teilweise aufrechtstehende Mähne; im Winter “Geißbart”; untersetzter, gepackter Körperbau; abschüssige Kruppe mit tiefangesetztem Schweif; kurze, starke Gliedmaßen; oft zehenweite Stellung vorn; kurze kräftige Fesselung; hervorragend harte Hufe; rauhes, dichtes Haarkleid.
Farben: große Farbvielfalt, 40 % Rappen und Dunkelbraune, 20 % Füchse, oft mit hellem Langhaar und Abzeichen, 10 % Schimmel, 10 % Falben in zahlreichen Farbspielarten; seltener Isabellen, Schecken und Albinos
Größe: ca. 128 - 148 cm
Gebäude: Das Pferd muss im Gesamteindruck einem der Typen des Islandpferdes entsprechen. Es soll harmonisch sein und im Gleichgewicht stehen. Die äußeren Begrenzungslinien von Rumpf und Gliedmaßen sollen ein Langrechteckformat ergeben.
Kopf: ausdrucksvoll und trocken, in der Größe zum Pferd passend, klares, großes und waches Auge, große Nüstern, kleines schön geformtes Ohr, korrektes gesundes Gebiss, gute Ganaschenfreiheit
Hals: geschmeidig, genügend lang; gut aufgesetzt; harmonisch verjüngend zum Genick, leicht gewölbter Kammrand, gerade verlaufender Kehlrand, gute natürliche Aufrichtung, Mähne dicht
Körper: Schulter lang und schräg, Brust genügend breit, mit guter Rippenwölbung, Widerrist gut ausgeprägt, genügend bemuskelt, weit in den Rücken hineinreichend; Rücken federnd, elastisch und gut bemuskelt; Kruppe lang, schräg, genügend breit mit kräftiger Bemuskelung. Das Pferd muss im Gesamteindruck einem der Typen des Islandpferdes entsprechen. Es soll harmonisch sein und im Gleichgewicht stehen. Die äußeren Begrenzungslinien von Rumpf und Gliedmaßen sollen ein Langrechteckformat ergeben.
Fundament: Alle bemuskelten Gliedmaßen verhältnismäßig lang. Gliedmaßen, an denen vorrangig Sehnen und Bänder angesetzt sind, dagegen verhältnismäßig kurz. Das Fundament soll trocken sein. Kräftige, lange, breite und markante Gelenke mit harmonischen Übergängen. Stellungsanomalien sind unerwünscht, sofern sie gebrauchsmindernd sind. Hufe in Form und Größe passend zum Pferd, aus hartem aber elastischen Horn, gute Sohlenwölbung, gut entwickelter Strahl, Hinterhuf deutlich spitzer als Vorderhuf.
Mechanik: Fünf Gangarten: Schritt, Trab, Galopp, Paß und Tölt; große Trittsicherheit in unwegsamem Gelände; Springanlagen
Bewegungsablauf
Schritt: Klarer, gleichmäßiger Viertakt bei schreitenden, gelösten, leichten, raumgreifenden und flüssigen Bewegungen mit gutem Ausdruck, guter Selbsthaltung.
Trab: Taktreiner, federnder Trab mit energischen, leichten und raumgreifenden Bewegungen bei ausdrucksvoller Haltung.
Tölt: Klarer, sicherer Takt, leicht zu reitender Tölt (in Richtung Naturtölt), guter Takt in jedem Tempo, energische Bewegungen, Tritt federnd aus der Schulter (Leichtigkeit der Vorhand). Geschmeidige Bewegungen aus der zur Gewichtsaufnahme bereiten Hinterhand (Senkung der Kruppe). Hohe, weit ausgreifende, runde Aktion.
Rennpass: Deutliches Vorwärtsspringen bei guter Geschwindigkeit, „fliegender Pass“, gute Streckung der Vorderbeine, mittlere Aufrichtung, volle Entfaltung von Energie, Kraft und Schub, Paßsicherheit.
Galopp: Regelmäßiger Dreitakt, deutlich gesprungen, Aufwärtsgalopp, leicht zügelbar, federnde, runde, ausdrucksvolle Bewegungen.
Temperament: Kein unnötiges Treiben, Sensibilität auf treibende Hilfen, Lust am Laufen, aber ohne Angst, gutes Vorwärtsgehen in jede Richtung. Hohe Leistungsbereitschaft, Kraft, Energie, Mühelosigkeit.
Charakter: Wach und aufmerksam, reaktionsbereit und reaktionsstark, respektvoll gegenüber dem Menschen, im seelischen Gleichgewicht, mutig, entschlossen, selbstständig und lebhaft, brav und zuverlässig, frei von Untugenden.

Die Geschichte des Islandpferdes
Die Besiedelung Islands durch die Wikinger begann Ende des 9. Jahrhunderts. Auf ihren Drachenbooten brachten die siedelnden Bauern aus Norwegen und Schottland ihre keltogermanischen Ponys mit, die auf der kargen, kalten Insel mit ihrer feindlichen Umwelt leben mussten. Ohne jede Fremdblutzufuhr gelang es, einen Pferdetyp zu schaffen, der diese Lebensbedingungen meisterte und gleichzeitig auf vielfältige Art dem Menschen diente. Bereits 930 n. Chr. Wurde durch den Allthing, der gesetzgebenden Vollversammlung, ein Einfuhrverbot für Pferde verhängt, so dass sich der Bestand in isolierter Reinzucht erhalten konnte.
Das Islandpferd ist das typische genügsame Allwetter-Naturpferd, das gewohnt ist, im großen Herdenverband zu leben. Das in den Herbstmonaten wachsende dichte Fell mit dem langen Deckhaar prädestiniert das Islandpferd für die ganzjährige natürliche Haltung im Freien. Auch seine Genügsamkeit bezüglich der Fütterung, seine Härte und Leistungsfähigkeit charakterisieren dieses vielseitig verwendbare Pferd. So wird es vor allem als Reit- und Tragpferd genutzt; der einheimischen Bevölkerung dienst es aber auch als Schlachttier.
Bei einem mittleren Stockmaß von 135 cm hat das Pferd durch seine Aufrichtung in der Bewegung ein Erscheinungsbild, das ohne Schwierigkeiten auch große Reiter deckt. Als einzige europäische Pferderasse verfügt das Islandpferd neben den drei Grundgangarten auch über die besonderen Gangarten Tölt und Rennpass. Im Tölt wird die Schrittfußfolge beibehalten, wodurch eine fließende, rhythmische Bewegung entsteht, die auch bei hohem Tempo dem Reiter großen Sitzkomfort bietet. Der Pass wird als Renngangart in speziellen Rennen geritten und ist als sportliches Erlebnis zu werten.
Die Zuchtleitung und Zuchtbuchführung wird auf Island unter staatlicher Aufsicht durchgeführt. Die Selektion ist sehr streng und wird durch Leistungsprüfungen auf großen Veranstaltungen unterstützt. Die Beliebtheit des Isländers kommt besonders dadurch zum Ausdruck, dass nicht nur in Europa, sondern auch in Nordamerika ( USA und Kanada) inzwischen größere Zuchtinseln entstanden sind. Die FEIF (Förderation Europäischer Islandpferde-Freunde) setzt inzwischen die Beurteilungs- und Selektionskriterien fest und reguliert die Leistungsprüfungen.
In Deutschland werden seit den 30er Jahren Islandpferde gezüchtet. Einen Aufschwung erlebte die Zucht seit 1970, als mit mehr Wohlstand und Freizeit viele Pferdefreunde die Vorzüge dieser Pferde erkannten. Das Islandpferd als robustes, widerstandsfähiges Pferd ist langlebig und genügsam. Sein Charakter, seine hohe Leistungsbereitschaft und seine besonderen Gangarten machen es zu einem vielseitigen Familienpferd. Für sportliche Reiter gibt es ein umfangreiches Turnierprogramm vom regionalen Reitertreff bis zur Weltmeisterschaft.
Quelle: FN Abt. Zucht


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